1a - die Fahrt mit der Eisenbahn, Trinkrituale - das Verschwinden der alten Bauernkultur

 

Diese Zeilen sind meinen Reisegefährten, die mich irgendwann einmal nach Siebenbürgen begleitet haben, gewidmet.

 

1. Die Anreise mit dem Zug - das Glücksspiel im Zug -

die Ankunft in Großpold

          Seit 1992 fuhr ich Jahr für Jshr im Mai oder Juni mit freundlichen Studentinnen und Studenten der Universität Wien fuhr ich Jahr für Jahr für ca 2 Wochen ohne Unterbrechung in das siebenbürgische Dorf Großpold (rumän. Apoldu de Sus) unweit von Hermannstadt (Sibiu).  

Die Zahl der Studierenden, die mich begleiten, schwankte zwischen 7 und 15.  

Wir fahren mit der Eisenbahn.  Wir bestiegen am Abend den Zug, der nach Bukarest fährt, und waren in der Früh in Alba Julia bzw. in Hermannstadt. 

Während der Zugfahrt bekamen wir bereits eine Beziehung zu den Menschen in Rumänien.  Daher ziehe ich die Zugfahrt einer Auto- bzw. Autobusfahrt vor.


Einmal wurde ich sogar während der Bahnfahrt am Morgen von vagabundierenden Rumänen zu einem Glückspiel eingeladen, bei dem ich mich allerdings nicht hineinlegen ließ. Darauf verwies ich stolz gegenüber meinen Reisegefährten. Allerdings, als diese freundlichen Herrn mein Abteil verlassen hatten, merkte ich, dass man mir mein Handy gestohlen hat.  Als ich die Herren freundlich bat, mir dieses Handy wieder auszufolgen, erntete ich nur ein Lächeln. Auch die Studenten lächelten. Ich nahm den Verlust gelassen, er erheiterte mich sogar.  

Von Alba Juli bzw. Hermannstadt ließen wir uns schließlich in  zwei oder drei Taxis ca 30 Kilometer nach Großpold chauffieren. Meine Reisegefährten bezogen das Gästehaus des Dorfes, ein für uns und andere Reisende adaptierter alter Bauernhof, oder sie wohnten in der sogenannten "Villa", einem leer stehenden Bauernhof, in dem der Sohn von Anneliese und Andreas Pitter  mit seiner Familie wohnte, ehe sie nach Österreich auswanderten.  Ich selbst bewohnte und bewohne weiterhin bei meinen Besuchen in Großpold  ein Zimmer am Bauernhof der Pitters. mit Blick auf den Hof unweit des früheren Schweinstalles und des Misthaufens.  Ich bin meinen Gastgebern dafür sehr dankbar.

 

2. Das Verschwinden einer alten Bauernkultur - die Milch kommt aus anderen Ländern der EU.

Die  alte Bauernkultur, die ich damals noch erlebte, gibt es heute nicht mehr, denn in  den Jahren nach 1990 verließen allmählich junge und alte Landler und Sachsen Siebenbürgen.  Nun waren  alte Bräuche, die alten Nachbarschaften, die das Leben im Dorf regelten, dem Untergang geweiht, Kirchenbänke leerten sich und schließlich gab man auch eine schöne alte Bauernkultur auf, bei der die Kühe  noch Hörner hatten und die Kälber eine Zeit bei der Mutterkuh blieben. Heute kauft man auch hier die Milch in den neuen Dorfläden und den nahen Supermärkten internationaler Lebensmittelketten. Die Milch kommt kaum nicht mehr von rumänischen Kühen, sondern von Kühen Deutschlands, Polens oder gar Griechenlands

im Rahmen der EU.  Ich war sehr  verwundert, als ich mir einmal Milch im Tetrapack in einem Großpolder Dorfladen kaufte und auf der Verpackung las, dass die Milch aus Wasserburg in Bayern stammt. Damals nach dem Eintritt  Rumäniens in die EU erfüllte es mich mit Wehmut, als meine Gastgeber, die Familie Pitter in Großpold,  ihre letzte Kuh aufgaben. Bald darauf meinte der Pfarrer, es gäbe nur mehr eine deutsche Kuh im Dorf.

 

3. Trinkrituale

Als ich 1990 nach dem Niedergang des Kommunismus das erste Mal nach Großpold fuhr, erlebte ich noch die alte Dorfkultur der Landler und Sachsen. Ich verbrachte mit den jungen Burschen von Großpold schöne Abende, bei denen wir alte deutsche Volkslieder sangen und guten Wein der Großpoldner Weinbauern tranken. Bei einem dieser Abende gedachten die anwesenden Burschen mit mir meines  in die ewigen Jagdgründe eingegangen Dackels Sokrates, eines lieben Begleiters, der mir sehr ans Herz gewachsen war.  Zu seiner Erinnerung führten wir  ein Trinkritual durch.