5. Zur Methode: Feldforschung als Abenteuer - Die adventure theory

  Roland Girtler als Feldforscher am Wiener Donaukanal - von hübschen Damen umgeben, die einiges über Feldforschung als Abenteuer wissen wollten.


Die „adventure theory“  -  der  Bluff der „grounded theory“      

Der in Sozialforschung modisch gewordene Begriff von der „grounded theory“ ist ein  Bluff , man  sollte ihn durch den der „adventure theory“                         ersetzen. Im ursprgl. Sinne heißt „theory“ (das Wort stammt aus dem Griechischen) soviel wie Einsicht und Gesamtschau. Adventure leitet sich vom lat. „advenire“ ab, was soviel heißt wie: „ankommen“. "Ankommen"  soll auch der Sozialforscher, der sich in das Feld begibt, um zu seinen Daten zu gelangen .  Bei der qualitativen Sozialforschung kommt es darauf an, durch gute Beobachtungen und gute Gespräche Material zu sammeln, auf dem dann Theorien aufgebaut werden.    Der gesamte Prozess des Datensammelns ist dabei  (beginnend mit dem Vorverständnis, das durch Alltagserfahrung, Literatur usw.  bedingt ist) ein fortlaufendes Interpretieren und Überprüfen von Beobachtungen und Aussagen (bzw. Theorien)  (man hat also kein fixes Forschungsprogramm bzw. kein „Forschungsdesign“).                                

 

Die alten Forscher der Chicagoer Schule hätten sich gewundert, dass  das, was sie gemacht haben, später einmal symbolischer Interaktionismus, interpretative Soziologie (jede Wissenschaft hat mit Interpretationen zu tun) oder grounded theory usw. heißen wird. Begriffe wie „sensibilsierende Konzepte“ und  „Akte des Kodierens“ klingen wunderbar, es steckt aber nichts dahinter, das neu wäre.  Außerdem hat es jede Art der Forschung , auch die Urgeschichtsforschung (habe als Student der Urgeschichte an einigen Ausgrabungen teilgenommen), mit „datenbasierter Theoriebildung“ zu tun, was denn ?  Ohne Daten kann man keine Theorien bilden.

Bei einer guten Feldforschung kommt es vor allem auf den Mut an, sich in Situationen zu begeben, in denen das wirkliche Leben sich abspielt, und dieses beobachtet und auch auf den Fleiß, gute Protokolle zu verfassen und diese laufend zu interpretieren  (alles andere versteht sich von selbst, wie das stetige Einbringen und Überprüfen von Überlegungen, zu denen man mit viel Gefühl gelangt).  

Eine Forschung im Stil der „adventure theory“  - also ohne künstliche Vernebelung - macht Freude.